Hintergrundbild

Hauptmenü


Untermenü


Inhalt

Die ungestörte Sprachentwicklung im Überblick:


Die Sprachentwicklung ist abhängig von vielen Faktoren und Einflüssen und kann nicht isoliert betrachtet werden. Es gibt immer wieder individuelle Abweichungen, so dass die Altersangaben nur der Orientierung dienen können!

Grundsätzlich gilt aber: Sprechen Sie uns an, wenn Sie unsicher sind.

 

 

 

 

Im ersten Lebensjahr 0-12. Monat

Das Kind reagiert auf Geräusche und die Stimmen seines Umfeldes. Es lallt, brabbelt und ahmt Geräusche nach. Es lernt Blickkontakt aufzubauen und mit seiner Stimme Emotionen zu vermitteln. Es teilt sich immer bewusster durch Gesten, Blickkontakt und Geräusche mit. Es äußert Emotionen immer eindeutiger und zeigt auf die Dinge die es haben möchte. Es durchläuft unterschiedliche Phasen des Lallens. Das Lallen wird hierbei immer komplexer.

Ende des ersten Lebensjahres beginnt es zum Teil bereits die ersten einfachen Wörter zu bilden (wie „Mama“).  

Folgende Beobachtungen könnten auf eine Störung hinweisen:

Sollte das Kind nur wenig lallen oder verstummen, auf Geräusche und Ansprache nicht oder kaum reagieren und keinen Blickkontakt aufnehmen, dann sollte könnten sprachliche Auffälligkeiten vorliegen. Zunächst muss aber eine Abklärung des Hörvermögens erfolgen!

Im zweiten Lebensjahr 12-24 Monat: Das Kind versteht die ersten Wörter, es reagiert allmählich auf seinen Namen und reagiert auf einfache Aufforderungen. Es produziert Lautketten und spricht erste Wörter. Die Wörter sind hierbei lautlich noch deutlich vereinfacht. Häufig gehören zu den ersten Wörtern „Mama, Papa, da, nein, hoch, Ball, Auto“. Im Laufe des zweiten Lebensjahres versteht das Kind einfache Sätze und Aufgaben. Der Wortschatz wächst. Der passive Wortschatz steigt zwischen dem 18. und 24. Monat auf ca. 200 Wörter an. Das Kind spricht in dieser Zeit aktiv ca. 50 Wörter- die so-genannte „Wortschatzexplosion“ erfolgt- das Kind lernt in dieser Phase Wörter nach dreimaligem Hören und setzt diese sofort aktiv ein. Hierdurch wächst der Wortschatz explosionsartig auf ca. 200 gesprochene Wörter an. Ende des ersten Lebensjahres beginnt es die ersten Wörter zu kombinieren und bildet die ersten Zweiwortsätze. Es verwendet Verneinungen und beginnt „Einwortfragen“ zu produzieren- Das erste Fragealter beginnt- es fragt z.B. „is das?“. Das Kind kann die Laute: „b,p, d, t, n, l, f, w, g, k“ bilden, vereinfacht Wörter aber noch systematisch. 
  

Folgende Beobachtungen können auf eine Störung hinweisen:

Wenn ihr Kind mit 18 Monaten noch nicht die ersten Wörter spricht, Ihr Kind aufhört zu sprechen oder die Sprache sich nicht weiterentwickelt, sollte eine Untersuchung erfolgen. Diese sollte auch erfolgen, wenn ihr Kind bis zum zweiten Lebensjahr noch nicht um die 50 Wörter sprechen sollte, ihr Kind kaum Wörter und Sätze versteht und nicht eindeutig auf seinen Namen reagiert. Vor einer logopädischen Vorstellung sollte aber unbedingt eine Abklärung des Hörvermögens erfolgen!

Im dritten Lebensjahr 24-36 Monate: Das Kind versteht im Laufe des dritten Lebensjahres immer längere Sätze und auch Zweifachaufträge wie z.B. „Zieh deine Jacke an und hol deinen Roller.“. Es beginnt einfache Präpositionen wie „auf, unter“ und einfache Geschichten zu verstehen, fängt an auf Fragen zu antworten, spricht seinen Namen und bildet 2-3 Wortsätze. Es kann Grundfarben zuordnen. Ab Mitte des dritten Lebensjahres steigt der aktive Wortschatz auf 300-500 Wörter an. Das Kind verwendet Nomen (Hauptwörter), Verben (Tuwörter), Adjektive (Wiewörter) und Adverbien. Es beginnt Artikel sowie Personalpronomen wie „ich, du, mein“ zu verwenden. Ende des dritten Lebensjahres bildet es einfache Sätze korrekt, und beginnt Nebensätze mit „weil“ zu produzieren. Es stellt kurz vor dem dritten Geburtstag viele Fragen- das zweite Fragealter beginnt- es fragt häufig „warum?“. Es bildet die meisten Laute korrekt - „sch, s, ch und R“ müssen in diesem Alter noch nicht korrekt gesprochen werden. Wörter werden häufig noch systematisch vereinfacht. Insbesondere längere Wörter werden häufig noch verkürzt, einzelne Buchstaben und Silben werden noch ausgelassen oder verändert. 

Folgende Beobachtungen können auf eine Störung hinweisen: 

Wenn das Kind Anfang des dritten Lebensjahres weniger als 50 Wörter spricht, es sehr unverständlich spricht und es keine Zweiwortsätze bildet, sollte eine Untersuchung erfolgen. Dies trifft ebenfalls zu, wenn Sie das Gefühl haben Ihr Kind versteht Sie nicht. Sollte das Kind in der zweiten Hälfte des dritten Lebensjahres nicht mehrere Wortarten bilden, keine Artikel verwenden und noch keine einfachen Sätze bilden, lassen Sie sich ebenfalls beraten. Auch wenn Ihr Kind sehr unverständlich sprechen sollte, viele Laute und Silben auslässt oder ersetzt und häufig nicht verstanden wird, sollten Sie ebenfalls Rat suchen.

Ab 3 Jahre bis 4 Jahre : Das Kind versteht mehrere Aufträge situationsabhängig in korrekter Reihenfolge. Es bildet längere und immer komplexere Sätze und erwirbt die korrekte Verbstellung in Haupt- und Nebensätzen. Es beginnt verschiedene Zeitformen zu verwenden (Vergangenheit, Zukunft) und verwendet den Plural. Die Satzbildung gleicht immer mehr der eines Erwachsenen. Es unterhält sich gerne und selbstständig und beginnt Geschichten zu erzählen. Fragesätze, verneinte Sätze und Passivsätze dürfen noch Schwierigkeiten bereiten. Es spricht bis zum vierten Geburtstag alle Laute bis auf „sch, s, ch“ korrekt und spricht alle Konsonantenverbindungen wie „bl, kn, tr“.

Folgende Beobachtungen können auf eine Störung hinweisen: Wenn der Wortschatz gering ist, es dem Kind schwer fällt Sätze zu bilden oder diese grammatisch nicht korrekt sind, sollte eine Untersuchung erfolgen. Auch wenn Laute bis auf <sch, s, z, ch1> nicht korrekt gesprochen werden sollten Sie Rat suchen. 

Ab 4 bis 6 Jahren: Das Kind spricht bis zum 6. Geburtstag um die 5000 Wörter. Zwischen dem fünften und sechsten Geburtstag beginnt es Oberbegriffe wie „Fahrzeuge, Obst, Gemüse und abstrakte Begriff wie „Zufriedenheit“ oder "Glück" zu benutzen. Außerdem zählt es bis zehn. Es befolgt mehrere Aufträge in korrekter Reihenfolge und erzählt kleine Geschichten. Die Sätze werden hierbei immer längere und komplexer und gleichen immer mehr denen eines Erwachsenen. Der Plural wird nun korrekt gebildet. Passivsätze, verneinte Sätze und Fragesätze dürfen noch unsicher sein. 


Ab fünf Jahre: Ab dem fünften Geburtstag spricht es auch das <sch> und ch1 korrekt. Das „s“ darf vor dem Zahnwechsel noch zwischen den Zähnen gebildet werden, alle anderen Laute müssen mit 5 Jahren spätestens korrekt gebildet werden!


Folgende Beobachtungen können auf eine Störung hinweisen: 

Sollte das Kind einen geringen Wortschatz haben und nur einfache Wörter benutzen und/ oder nach Wörtern suchen, lassen sie sich beraten. Auch wenn Schwierigkeiten in der Grammatik bestehen, nur kurze oder unvollständige Sätze gebildet werden und das Erzählen von Zusammenhängen schwer fällt, sollte eine Befunderhebung erfolgen. Dies gilt auch, wenn das Kind Buchstaben oder Buchstabenkombinationen nicht korrekt spricht.

Ab der Vorschulzeit: Das Kind sollte spätestens mit fünfeinhalb Jahren Reime erkennen und beginnen diese zu bilden. Es kann Silben klatschen und beginnt Laute aus Wörtern heraus zu hören. Das Interesse an Buchstaben wächst und das Kind schreibt seinen Namen. Es lernt die Aufmerksamkeit von der Bedeutung des Wortes auf die Form des Wortes zu lenken. Es entwickelt sich die so-genannte Störungsbilderphonologische Bewusstheit als Voraussetzung für den Lese- und Schreiberwerb. 

Folgende Beobachtungen können auf eine Störung hinweisen: 

Sollten Sie das Gefühl haben, dass sich Ihr Kind unter Geräuschkulisse nicht konzentrieren kann, sich Dinge nicht merken kann und kein Interesse an Reimen, Silben klatschen und Buchstaben entwickelt, dann lassen Sie sich beraten. Es gibt wichtige Vorläuferfunktionen des Lese- und Schreiberwerbs, welche sie im Alltag und mit unserer Unterstützung vor Schulbeginn fördern können.

Nach Zahnwechsel: Das Kind bildet das „s“ und alle übrigen Laute korrekt. 
    

Folgende Beobachtungen können auf eine Störung hinweisen: 

Lassen Sie sich beraten, wenn Ihr Kind „lispelt“, die Zunge an oder zwischen den Zähnen liegt und der Mund häufig offen steht. Auch bei Fehlbildungen von Lauten oder einer undeutlichen Aussprache sollten Sie sich beraten lassen. 

 

 

Ab dem ersten Schuljahr: 

Das Kind kann seine Aufmerksamkeit sicher von der Wortbedeutung auf die Wortform lenken. Es lernt Buchstaben aus Wörtern heraus zu hören und Wörter systematisch zu strukturieren. Es lernt allmählich gehörten Lauten geschriebene Buchstaben zuzuordnen und Wörter zu verschriften. Dabei erwirbt es schrittweise Rechtschreibstrategien. Es lernt Laute zusammen zu ziehen und zu erlesen. In den nächsten Schuljahren erwirbt es nach und nach die Rechtschreibregeln, lernt flüssig zu lesen und hierbei den Sinn zu erfassen. 


Folgende Beobachtungen können auf eine Störung hinweisen: 

Sollte Ihr Kind Schwierigkeiten haben Laute aus Wörtern heraus zu hören und es im Laufe des ersten Schuljahres kaum schaffen die ersten Wörter zu schreiben und zu lesen, so lassen Sie sich beraten. Holen Sie sich eine Einschätzung, wen die Leistungen im Lese- und Schreiberwerb von denen anderer Kinder in der Klasse deutlich abweichen. Dies gilt auch, wenn es Ihrem Kind schwer fällt sich zu konzentrieren oder es unter der Geräuschkulisse in der Schule schnell ablenkbar ist. Dies könnte auf eine zentral-auditive Verarbeitungsstörung oder die ersten Anzeichen einer Lese- Rechtschreibstörung hindeuten. 
   

Der Redefluss- Redeunflüssigkeit oder Stottern?: 
Im Alter von 3-5 Jahren kann es zu einer Störung des Redeflusses kommen. Es kann zu Wiederholungen von Wörter, Silben und Lauten kommen. Dies gehört für kurze Zeit zur „normalen“ Sprachentwicklung. Sollten diese Auffälligkeiten länger als sechs Monate bestehen und/ oder Ihr Kind stark darunter leiden, suchen sie sich Rat. Physiologische Redeunflüssigkeiten im Kindesalter gehören häufig zu einer normalen Sprachentwicklung und treten dann auf, wenn das Kind im Alter von 3-6 Jahren eine deutliche sprachliche Weiterentwicklung zeigt. Es kommt dann zu einer Störung des Gleichgewichtes zwischen den sprechmotorischen Fähigkeiten und den Gedanken des Kindes. Das Kind möchte diese schnell sprachlich ausdrücken. Es kann diesen Sprechdrang aber von dem motorischen Entwicklungsstand der Zungen- und Lippenbeweglichkeit nicht erfüllen. Die Muskulatur beginnt dann zu „stolpern“ und das Kind „verhaspelt“ sich. Besonders deutlich ist dies bei Aufregung, unter Zeitdruck oder bei Erschöpfung zu beobachten. Diese Unflüssigkeiten treten nicht kontinuierlich auf und sind meist stark situationsabhängig. Die Symptome dauern manchmal nur wenige Tage bis Wochen und klingen spätestens nach 4-6 Monaten bei 70-80% der Kinder wieder ab. Die Kinder bemerken diese Unflüssigkeiten nicht! Sie dürfen von ihrer Umwelt darauf auch nicht aufmerksam gemacht werden! Denn der Übergang zu dem beginnenden Stottern ist fließend und beginnt häufig mit einem Bewusstwerden des Stotterns. Das Kind versucht dann durch mehr Druck die Blockkierungen bewusst zu überwinden.

Wenn dies beobachtet werden kann, sehr ausgeprägte Symptome besehen und/ oder die Symptomatik länger als 6 Monate besteht, sollte eine logopädische Untersuchung und Beratung erfolgen. 


Eltern sind häufig verunsichert, wenn sie bei ihrem Kind auf einmal Stottersymptome feststellen und entwickeln verständlicherweise Ängste. Es ist aber besonders wichtig, dass Sie die Kinder diese Ängste nicht spüren lassen und sie nicht auf die Symptome aufmerksam machen. Suchen Sie bei Unsicherheiten unsere logopädische Praxis auf. Wir beraten Sie gerne.

Weitere Informationen: auführliche Darstellung des Störungsbildes "Stottern" bei Kindern und Erwachsenen 

Quellen: 

  • dbl, Faltblatt „Wie spricht mein Kind“ 6. Auflage Dezember 2004
  • Die Kindliche Sprachentwicklung von der U3 bis zur U9, Tanja Jahn, 3. Auflage Mai 2006, dbl

nach oben

Druckversion


Suchfunktion

Webseite durchsuchen

Servicemenü